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Plastikmüll bleibt 450 Jahre

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Schritt für Schritt: Meeresbiologin mahnt in Langen Umdenken beim Konsumverhalten an

LANGEN. Bilder von mit Plastikmüll verseuchten Meeren sind heutzutage unausweichlich. Mit einem Vortrag in Langen aber zeigte Biologin Dr. Rebecca Störmer nicht nur aufrüttelnde Fakten auf, sondern auch alltagstaugliche Tipps zur Vermeidung unnötiger Kunststoffverpackungen zum Schutz der Umwelt.

Bilder von Plastikmüll wie hier am Strand von Ko Sih Chang, einer Insel im Golf von Thailand, gehören inzwischen zum traurigen Alltag. Foto: Sator

„Wir dürfen nicht nur ohnmächtig zusehen, sondern müssen uns den Herausforderungen stellen“, sagt Rebecca Störmer. Die Helgoländer Meeresbiologin referierte auf Einladung der Stadt Geestland im Rahmen der andauernden Kampagne rund um Naturschutz und Nachhaltigkeit. Über 50 interessierte Zuhörer, viele mit wissenschaftlichem Hintergrund, hatten den Weg ins Langener Rathaus gefunden, um den „Life in plastic is not fantastic“ betitelten Vortrag zu den Gefahren des wachsenden Plastikmülls in den Weltmeeren zu verfolgen.

Die Zahlen, die Störmer nannte, sprachen eine eindeutige Sprache. So gehe man derzeit von 150 Millionen Tonnen Müll, viel davon schwer zersetzbare Kunststoffe, in den Ozeanen aus. 70 Prozent davon treibe unsichtbar unter der Meeresoberfläche. Dabei würde der größte Teil nicht etwa über Schiffe oder Strände eingetragen, sagt die Biologin. Gut 80 Prozent stamme aus dem Binnenland und würden über Flüsse ins Meer getragen. „Wie lange bleibt dieser Müll im Wasser?“, fragte sie in die Runde. Die erschreckende Antwort: Ein Apfelgehäuse bräuchte zwei Monate, um sich zu zersetzen, eine Zigarettenkippe fünf Jahre und eine unachtsam ins Meer geworfene PET-Flasche ganze 450 Jahre.

Plastik dieser Welt

„Wir zerstören damit nicht nur ein einzigartiges Ökosystem, das 80 Prozent des Sauerstoffes auf unserem Planeten produziert“, warnte die Umweltaktivistin vor weiteren Gefahren. Der herumtreibende Plastikmüll erfahre mit der Zeit eine mechanische Zersetzung und die resultierenden Kleinst- und Nanopartikel würden von Meereslebewesen geschluckt, die dann später auf unseren Tellern landen. „Was die Aufnahme dieser in Fisch und anderen Meeresfrüchten abgelagerten Partikel langfristig in unseren Körpern anrichtet, ist noch gänzlich unbekannt“, sagte Störmer.

Kleine, gezielte Schritte, ist sich Meeresbiologin Dr. Rebecca Störmer sicher, sind der Weg zu einem Naturschutz-Umdenken. Foto: Barthel

Ein stärkeres Bewusstsein für den nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt ist Störmers übergeordnetes Ziel. Nicht mit erhobenem Zeigefinger und Extremlösungen, sondern in kleinen, bewussten Schritten und Kompromissen sieht sie eine Umkehr des Konsumverhaltens im Sinne des Umweltschutzes. „Ich durfte heute bei meinem Spaziergang die schöne Umgebung Langens kennenlernen und auch erkennen, wie schützenswert diese ist“, sagt die Meeresbiologin, die schon als Kind von der Natur fasziniert war. Der Plastikmüll, der sich in den kommenden 20 Jahren noch verdoppeln wird, sei auch ein regionales Problem und betreffe nicht nur entfernte Ozeane. Dementsprechend müssten die von ihr erwähnten „kleinen Schritte“ zuerst vor der eigenen Haustür gemacht werden. (hba)


Alltags-Tipps
› Der Klassiker: Ein klares „Nein“ zu Plastiktüten, sogar an der Gemüsetheke im Supermarkt. Bringen Sie lieber Mehrwegtaschen sowie eigene Behälter zum Einkaufen mit.

› Weg von der Bequemlichkeit des Einwegdenkens und beim Einkauf unnötige Umverpackungen vermeiden. Dabei können sich Konsumenten und Einzelhandel gegenseitig „erziehen“.

› Mit der BUND-App „ToxFox“ beim Einkaufen Produkt-Barcodes scannen, um schädliche Chemikalien in Alltagsprodukten zu erkennen, die sich im Körper anreichern können. Die App ist für Apples iOS und für Android erhältlich.

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 24.09.2018 von (hba)

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