BI Driftsethe

Bürger-Initiative gegen die Bauschuttdeponie in Driftsethe

Es gärt beim Thema Atommüll

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Endlagersuche beschäftigt Bürger und Kommunen auch in dieser Region – Am Wochenende können sich auch Bürger einbringen

BREMERHAVEN/KREIS CUXHAVEN. Wohin mit dem hoch radioaktiven Atommüll? Vielleicht ins Elbe-Weser-Dreieck oder ins Wattenmeer?

Seit Freitag läuft ein erster digitaler Beratungstermin, bei dem jeder – nicht nur Experten, sondern auch Bürger und Kommunen – Fragen und Anmerkungen zur Standortsuche loswerden kann. Interessiert das Thema überhaupt jemanden in der Region? Es gärt.

Bild: NZ

Das Elbe-Weser-Dreieck ist weitflächig im „Zwischenbericht Teilgebiete“ vertreten. Der beinhaltet 90 Regionen, in denen mögliche Standorte für ein Endlager denkbar sind. Um diesen Zwischenbericht dreht sich an diesem Wochenende die Diskussion. Die Ergebnisse muss die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bei ihrer Endlagersuche berücksichtigen.

Entscheidend waren bisher rein geologische Kriterien. Danach gelten mehr als 50 Prozent Deutschlands als potenziell geeignet. Zwischen Weser und Elbe sind es Ton- und Salzgesteinsvorkommen, die als geeignetes Wirtsgestein gelten, um den strahlenden Müll einzulagern und abzuschirmen.

Dr. Susanne Gatti
Foto: Hartmann

Im Ostfriesischen wurde schon Kritik laut. Inselvertreter zum Beispiel schimpfen, dass sogar Wattenmeerbereiche – zum Weltnaturerbe gehörend – als mögliche Standorte aufgeführt sind. Auf der Online-Plattform des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) – die Aufsichtsbehörde für die BGE – ist auch die Bemerkung aufgetaucht, ob nicht Klimaveränderungen und Meeresspiegelanstieg zu berücksichtigen sind. Schließlich soll das Endlager den gefährlichen Abfall eine Million Jahre lang sicher verwahren. Doch sich auf das Argument Meeresspiegelanstieg zu verlassen, ist naiv, hat Dr. Susanne Gatti aus Gesprächen mit Geologen mitgenommen. Sie ist Umweltdezernentin in Bremerhaven und mit dem Thema Endlager betraut. „Ich nehme für die Stadt an der Konferenz teil“, berichtet die Stadträtin. Gatti hatte schon die Auftaktveranstaltung im Oktober verfolgt.

Kommunen sehen genau hin

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Thorsten Krüger
Foto: Wittschieben

Bei der Stadt Geestland ist nach den Worten von Bürgermeister Thorsten Krüger die Position klar: Nicht bei uns. „Ich habe wenig Verständnis dafür, dass viel Geld mit Atomkraft verdient wurde, nun aber andere Kommunen den Atommüll lagern sollen“, sagt Krüger. Verwaltung und Politik seien involviert. Geestland arbeite nicht nur mit dem Landvolk zusammen, sondern über den Verschönerungsverein auch mit Bürgern aus Bad Bederkesa. Denn auch dort wird die Endlagersuche verfolgt, unter anderem wegen eines Salzvorkommens bei Alfstedt. Sie hätten sich die Konferenz, die noch bis Sonntagnachmittag dauern wird, aufgeteilt, sagt Krüger. Er will sich auch in die Online-Veranstaltung einschalten.

In Wanna und in Hagen ist man ebenfalls auf Habachtstellung. „Ich glaube, das beobachten viele“, sagt Hagens Gemeindebürgermeister Andreas Wittenberg. Nicole Friedhoff, Bürgermeisterin in Wanna, meint: „Man muss schon aufpassen.“ Doch dass sich schon laute Bürgerproteste entwickelt haben, können beide noch nicht sagen.

„Wir sind dran“, heißt es beim Kreis Cuxhaven. Auch dort wird die Standortsuche verfolgt. Kreissprecherin Kirsten von der Lieth: „Wenn es erforderlich ist, sind wir bereit, uns zu positionieren.“

Mehr ins Eingemachte geht es, wenn zu den sogenannten Regionalkonferenzen eingeladen wird. Die BGE wird nach weiterer Prüfung Standorte vorschlagen, die oberirdisch erkundet werden. Dazu wird es dann die Regionalkonferenzen geben. Wann die genau stattfinden, steht noch nicht fest. Bundestag und Bundesrat müssen über vorgeschlagenen Standorte entscheiden. (oer)

www.endlagersuche-infoplattform.de

So läuft die Beteiligung

› Gut 1600 Anmeldungen sind für den ersten Beratungstermin der Fachkonferenz Teilgebiete eingegangen. Aus Niedersachsen kommen 350 Teilnehmer, aus dem Bundesland Bremen acht. Aus dem Postleitzahlen-Raum 27/28 mit Cuxhaven, Bremerhaven und Bremen kommen 38 Teilnehmer.

› Über den Zwischenbericht mit seinen geologisch geeigneten Flächen für ein Atommüll-Endlager wird bei zwei weiteren Terminen diskutiert: vom 15. bis 18. April und vom 10. bis 13. Juni. Ob die wieder im Online-Format stattfinden müssen, steht noch nicht fest.

› Auch online können Bürger den Zwischenbericht kommentieren. www.onlinebeteiligung-endlagersuche.de

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 06.02.2021 von Ursel Kikker

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