BI Driftsethe

Bürger-Initiative gegen die Bauschuttdeponie in Driftsethe

Der Klimawandel und die Kosten

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Wer nicht hören will, wird es im Portemonnaie fühlen

Christoph Willenbrink Stellvertretender Chefredakteur
Bild Xing

Es sind nur zwei kleinere Nachrichten, die eher den Charakter von Randnotizen haben. Doch letztlich steckt politischer Zündstoff in ihnen. US-Präsident Joe Biden vermeldete, dass die USA allein in diesem Jahr (Stand Mitte September) bereits 100 Milliarden Dollar hätten aufwenden müssen, um die Folgen des Klimawandels in Form von unzähligen Waldbränden, Dürren in weiten Landesteilen und zerstörerischen Hurrikanen zu beheben oder zu mildern.

Und dann die Nachricht zwei: Deutlich kleiner ist der Topf, aus dem die EU-Mitgliedstaaten hilft, wenn die Natur zurückgeschlagen hat. 1,2 Milliarden Euro sind drin. Und die Flutopfer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz werden davon nichts abbekommen. Denn das versprochene Geld war zum Zeitpunkt der Katastrophe schon längst für andere Klimaereignisse ausgegeben.

Kleinerer Topf, aber das gleiche Problem. Die Folgen des Klimawandels werden spürbar. Noch nicht direkt im Portemonnaie, aber das wird nicht mehr lange dauern. Denn die 100 Milliarden in den USA, die 30 Milliarden in Deutschland für den Fluthilfefonds und die 1,2 Milliarden der EU werden durch Steuern finanziert.

Umgerechnet hat der Klimawandel allein dieses Jahr jeden US-Bürger bereits 305 Dollar gekostet. Die Flut in Deutschland kostet jeden der 83 Millionen Bundesbürger 360 Euro. Geld das nur zur Schadensbehebung notwendig ist. Und der Klimaforschung zufolge werden sich diese Ereignisse wiederholen. Jahr für Jahr. Und sie werden sich, wenn wir nichts tun, sogar noch häufen  und folgenreicher werden.

Also wer jetzt noch glaubt oder glauben machen will, der Klimawandel müsse und könne ohne Belastungen bewältigt werden, dem ist nicht zu helfen. Im Gegenteil: Wir werden die nächsten Jahre sogar doppelt belastet sein. Denn die Katastrophen von heute und morgen sind ja nur das Ergebnis der Sünden von gestern und vorgestern. Nicht mehr aus der Welt zu schaffen, sondern nur noch zu ertragen. Doch deren Folgekosten sind ja nur das eine, das andere sind die zusätzlich erforderlichen Investitionen, um das Ruder herumzureißen und nicht weiter mit Volldampf in die Katastrophe zu steuern.

Im Wahlkampf wird derzeit wortreich genau um diesen Punkt herumgeredet, weil man glaubt, den Menschen die Wahrheit nicht zumuten zu können. Dabei wären die oben beschriebenen Pro-Kopf-Kosten schon mal ein gutes Argument, vielleicht auch die weit mehr als 50 Prozent der Deutschen anzusprechen, die zwar den Klimawandel erkennen, aber zur Bewältigung desselben nicht am eigenen Lebensstil rütteln wollen.

Was nicht funktionieren wird. Denn wenn der Klimawandel im Geldbeutel ankommt, ist der Urlaub irgendwann nicht mehr finanzierbar genauso wie das tägliche Stück Fleisch. Das Handy im Zweijahresrhythmus ist passé, und selbst die Wegwerfmethode wird zu teuer. Spätestens das ist der unfreiwillige Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels durch die Hintertür. Nicht geschickt, aber konsequent.

Nordsee-Zeitung vom 15.09.21 von Christoph Willenbrink

Meine Meinung dazu: „Genau auf den Punkt gebracht!“

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